Vor 75 Jahren hatten wir eine schwere Zeit. Der Krieg hatte viel Leid und Not mit sich gebracht, Menschen lebten in Sorge, auch um diejenigen, von denen sie nicht wussten, ob sie je zurückkommen sollten, und darum, wohin das Leben sie treiben würde. Das stellte Landesbischof Ralf Meister beim Jubiläumsgottesdienst zum 75-jährigen bestehen der ev.-luth. Pauluskirche in Bilshausen heraus.
Pastor Till Engelmann hatte eingangs deutlich gemacht: „Wir feiern heute nicht nur Erntedank, sondern auch Kirchweih, den Geburtstag der Kirche.“ Besonderer Gast war eben der Landesbischof der Kirche Hannovers. Er gedachte in seiner Predigt derer, die diese Kirche – entwickelt als Notkirche vom Architekten Otto Bartning – damals hatten errichten lassen. Sie schenkten den Menschen in Bilshausen Hoffnung, so Meister, gaben ihnen eine geistliche Heimat.
„Für viele war es damals hier ein Ankommen nach der Flucht, viele aus Schlesien“, erinnerte er, „eine eigene Kirche schuf Identität.“ Auch, wenn die Konfession nicht trennen sondern verbinden soll. Das wurde beim Jubiläum auf jeden Fall deutlich, da Gemeindereferent Thomas Bömeke den Gottesdienst mitgestaltete, ebenso wie die Schola.
„Wir feiern nicht nur 75 Jahre Baugeschichte, sondern Gemeinschaft“, betonte Bischof Meister. Dann fügte er einen weiteren Aspekt im Sinne des Erntedank hinzu: „Wir leben von dem, was andere vor uns getan haben“, sagte er. Von dem, was andere gesät haben, aber auch von dem, was andere in einem Grundgesetz verankert haben, um Gemeinschaft, eine neue Heimat für heimatlos Gewordene und eine stabile Demokratie zu ermöglichen.
Heute müssten wir sie verteidigen, mahnte er, eine Gesellschaft christlicher Werte, die Menschen in ihrer Mitte aufnimmt und ihnen Heimat und Hoffnung gibt. Es sei so wichtig, mehr Dankbarkeit zu leben, Verlässlichkeit zu bieten als immer nur auf die Sorgen, die es heute wie damals gibt, zu blicken. So schloss er mit eindringlichen Worten.
Anschließend wurde draußen gemeinsam gefeiert. Für Ralf Meister gab es noch eine besondere Begegnung, denn die 96-jährige Anni Duits erzählte ihm, dass sie schon damals bei der Einweihung der Kirche dabei gewesen ist. Sowas ist auch für einen Landesbischof nicht alltäglich, obwohl er sonst manchmal gar nicht so gerne zu 75-jährigen Kirchenjubiläen komme. „Da spürt man das eigene Alter“, scherzte er, „während ich mich bei Kirchen, die mehrere hundert Jahre alt werden, relativ jung fühlen kann.“ (Nicht falsch verstehen, die Kirchen aus der Nachkriegszeit mag er trotzdem, eben wegen der in der Predigt angesprochenen Aspekte und auch, weil sich Gottesdienste dort so nah und direkt anfühlen, wie er sagt.)
C.Dolle