Die Armut bzw. das Armutsrisiko ist in Deutschland in den letzten Jahren angestiegen. Fast jeder sechste Mensch gilt statistisch als armutsgefährdet, vor drei Jahren war es noch jeder siebte. Dementsprechend wichtiger werden staatliche Unterstützungen für viele Menschen und – wenn die zurückgefahren werden – nichtstaatliche Einrichtungen wie beispielsweise die Tafeln.
Die Osteroder Tafel schließt für viele Familien zwischen Oberharz und Eichsfeld eine Lücke und rettet zudem zahlreiche Lebensmittel davor, trotz guter Qualität weggeworfen zu werden. Getragen wird diese Arbeit von Ehrenamtlichen. Es sind Menschen, die in den Ausgabestellen die Kisten an jene rausgeben, für die sie eine große Entlastung bedeuten, jene, die die Waren begutachten, aussortieren und die Kisten packen, und diejenigen, die die für den Handel nicht mehr verkäuflichen Lebensmittel bei den Märkten etc. abholen.
„Euch gilt großer Dank“, sagte Henning Willig im Namen des Vorstands beim Sommerfest der Tafel in Lasfelde. Alle Mitarbeitenden und auch fördernden Mitglieder waren zu Kaffee und Kuchen eingeladen worden, viele waren gekommen. Nicht wegen der Anerkennung ihrer Arbeit. Das ist den meisten nicht so wichtig. Sie tun das, was sie tun, gerne. Wertschätzung ist natürlich auf jeden Fall angebracht. Aber vielen ging es vor allem um den Austausch, sich mal mit jenen zu unterhalten, die verstehen, wie viel Zeit und Engagement wirklich dahintersteht.
In manchen Gesprächen wurde deutlich, dass es nicht immer einfach ist. Bei einer Einrichtung wie der Tafel, die wie logistisch wie ein Unternehmen funktionieren muss, gibt es klare Regeln. Die sind nicht für jede und jeden sofort nachvollziehbar, vor allem, wenn sie auch bedeuten können, dass Menschen eben nicht geholfen werden kann. Dazu muss nun einmal alles ineinandergreifen. Und auch Kritik am aktuellen politischen Kurs der sozialen Kälte wurde hier und da geäußert. Das macht die Arbeit eben auch nicht leichter.
Weniger Lebensmittel, die die Märkte abgeben, weil auch sie härter kalkulieren müssen, mehr Menschen, die Bedürftig sind oder aber an der Schwelle zur Berechtigung für die Tafel stehen und auf die Hilfe hoffen. Größtes Problem der Osteroder Tafel ist es aktuell, genug Fahrer zu finden. Es ist eine körperlich schwere Arbeit, da mit jeder Tour etliche Kisten Lebensmittel abgeholt werden, und es braucht verlässliche Leute, die die Touren auch übernehmen können. Hier wird dringend gesucht, damit die Hilfe gegen die Armut auch weiterhin erfolgen kann.
Christian Dolle