„Hier bin ich angekommen“

Nachricht Bad Lauterberg, 03. September 2026

Pastorin Vanessa Bethe in Bad Lauterberg eingeführt

@M. Spillner

Bad Lauterberg. Manchmal führt das Leben einen an einen Ort, mit dem man zunächst überhaupt nicht gerechnet hat. Diese Erfahrung hat Pastorin Vanessa Bethe in Bad Lauterberg gemacht. Am Sonntag wurde sie in einem festlichen Gottesdienst mit vielen Gästen in der St. Andreas-Kirche von Superintendentin Ulrike Schimmelpfeng offiziell in ihre Pfarrstelle eingeführt: „Sie hätten sich überall bewerben können und wären mit Handkuss genommen worden – aber Sie haben sich für Bad Lauterberg entschieden. Darüber freuen wir uns sehr.“

Neu in Bad Lauterberg und der Region ist Vanessa Bethe allerdings nicht. Seit mehr als vier Jahren ist sie bereits vor Ort, absolvierte ihren Probedienst als Pastorin, hat viele Andachten gefeiert, Menschen getauft und getraut, begleitet, mit ihnen gelacht und geweint. Aktuell befindet sie sich in Teilzeitelternzeit und gestaltet Gottesdienste. Die weitere Vertretung übernimmt Pastor Uwe Rumberg. Gemeinsam mit ihrer Familie – Ehemann Thomas und den Töchtern Clara und Stella – ist Vanessa Bethe in der Stadt heimisch geworden. „Wir haben hier ein Zuhause gefunden“, stellte die Pastorin fest. Aus dem anfänglichen „Im Leben nicht“ sei inzwischen ein klares „Hier möchte ich sein“ geworden.

Im Mittelpunkt ihrer Predigt stand die Apostelgeschichte 6. Darin wird von der ersten christlichen Gemeinde erzählt, die wächst, aber zugleich mit Konflikten und unterschiedlichen Bedürfnissen zu kämpfen hat. „Gemeinde lebt nicht davon, dass einer alles macht“, betonte Bethe. Vielmehr gehe es darum, Menschen etwas zuzutrauen, ihre Begabungen zu entdecken und gemeinsam Verantwortung zu übernehmen. Eine Haltung, die sie auch als wichtige Aufgabe ihres pastoralen Dienstes versteht. Es gehe darum, mit unterschiedlichen Geschichten, Erfahrungen und Vorstellungen gemeinsam unterwegs zu sein. Ein besonderes Bild fand die Pastorin dafür im Wasser. Ihr persönlicher Einführungsspruch steht in Jesaja 43,2: „Wenn du durch Wasser gehst, will ich bei dir sein, dass dich die Ströme nicht ersäufen sollen; und wenn du ins Feuer gehst, wirst du nicht brennen, und die Flamme wird dich nicht versengen.“ Wasser habe sie schon immer begleitet – vom Schwimmen und Tauchen über Unterwasserrugby bis zum Segeln mit ihren Eltern. Auch Bad Lauterberg mit der Oder und dem Wiesenbeker Teich sei von diesem Element geprägt. Wasser bedeute für sie Freiheit, Bewegung und Getragenwerden, könne aber zugleich unberechenbar sein. „Gott verspricht uns nicht: Ich sorge dafür, dass ihr immer ruhiges Wasser habt“, sagte Bethe. Sein Versprechen laute vielmehr: „Wenn du durchs Wasser gehst, will ich bei dir sein.“

Zu diesem Bild gesellte sich in ihrer Predigt ein zweites Element: das Feuer. Wasser trägt und beruhigt, Feuer wärmt, leuchtet und sprüht Funken. Beides brauche auch eine lebendige Gemeinde: das Vertrauen darauf, von Gott getragen zu sein, und zugleich Begeisterung, Mut und Leidenschaft.

Mit Freude und Respekt gehe sie deshalb in den neuen Abschnitt, sagte die Pastorin. Nicht mit dem Anspruch, alles allein schaffen zu müssen, sondern mit dem Vertrauen: „Wir haben einander. Und wir haben Gott.“ Am Ende ihrer Predigt fand sie dafür persönliche Worte: „Mich jedenfalls hat er hierhergeführt. An einen Ort, bei dem ich einmal gesagt hätte: ‚Im Leben nicht.‘ Und an dem ich heute sagen darf: ‚Hier bin ich angekommen.‘“ Und dass sie das wirklich ist, zeigte der große Empfang im Gemeindehaus mit vielen Begegnungen und Gesprächen im Anschluss.

M. Spillner