„Huch, was haben wir denn hier?“ – mit dieser überraschten Reaktion stand Orgelsachverständiger Hans-Ulrich Funk aus Herzberg bei der Überarbeitung der Engelhardt-Orgel in der St. Jacobi-Schlosskirche in Osterode vor einem ganz besonderen Fund. Er stieß auf Pfeifen von 1600, die eigentlich schon von Anfang an in der Orgel verbaut waren, aber wohl bisher nicht entdeckt wurden. „Bei den Arbeiten hatte ich jede Pfeife einzeln in der Hand. Dabei ist mir diese Überraschung begegnet“, erklärt Funk lächelnd.
Für mehrere Wochen war die Orgelbaufirma Waltershausen vor Ort und kümmerte sich um den gesamten technischen Bereich: Ein etwa 2,5 mal 3,5 Meter großer Balk, der die gesamte Orgel mit Wind versorgt, wurde in der Werkstatt restauriert, das ganze Pfeifenwerk ausgebaut, jedes Stück gereinigt und wieder eingebaut. Anschließend übernahm Funk zusammen mit Mitarbeitern der Orgelbaufirma Markus Krawinkel die klangliche Überarbeitung. Dabei nahm er das Instrument gründlich unter die Lupe – Pfeife für Pfeife. Der Registerbestand wurde bereinigt und im 2. Manual ein Register von Engelhardt hinzugefügt. „Statt 26 hat die Orgel nun 27 klingende Register. Vom Klangkonzept her sind wir mehr in Richtung Engelhardt gegangen. Das macht die Mischungsfähigkeit der Orgel ideal – und es ist einfach eine Freude, hier zu spielen!“, ergänzt der 79-Jährige.
Rund 1600 Pfeifen sind in der Orgel verbaut. Die letzte größere Reparatur liegt bereits mehr als 30 Jahre zurück: 1993 wurde das Instrument umfassender instandgesetzt. Nun wurden die verschiedenen Bereiche überprüft und überarbeitet. Dazu gehörte auch eine gründliche Reinigung, bei der die Orgel von Staub- und Schimmelablagerungen befreit wurde.
Nach den technischen Arbeiten ging es für Hans-Ulrich Funk vor allem darum, den Klang des Instruments wieder sorgfältig abzustimmen. Denn erst das Zusammenspiel der vielen einzelnen Pfeifen lässt den charakteristischen Orgelklang entstehen. „Aller Anfang ist da immer ein Abenteuer, weil man nicht genau abschätzen kann, wo die Reise hingeht. Aber die Fachleute waren bei der Orgelabnahme sehr angetan von dem Ergebnis.“
Nun darf sich zeigen, was die Überarbeitung bewirkt hat. Ein Konzert zur Wiedereinweihung am Sonntag, 13. September, um 16 Uhr zum Tag des offenen Denkmals bietet Gelegenheit, die St. Jacobi-Schlosskirche und ihr historisches Instrument neu zu entdecken. Kreiskantor Jörg Ehrenfeuchter spielt Werke aus dem Barock bis zur Romantik.
Der Eintritt zum Konzert ist frei. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, dabei zu sein, wenn die rund 1600 Pfeifen zum Klingen gebracht werden.
M. Spillner