„Ist da jemand?“ fragt Adel Tawil in seinem gleichnamigen Lied, das auch nach fast zehn Jahren immer noch aktuell ist. Der tiefgründige Song, der sich mit der Frage beschäftigt, wen jeder Mensch an seiner Seite hat, wenn er sich allein fühlt, zog sich am Dienstag wie ein roter Faden durch den 1. Fachtag des Kindertagesstättenverbandes Harzer Land zum Thema „Kinder in den Mittelpunkt – Mut zur offenen Arbeit“ in der Stadthalle Osterode. Begrüßt wurden die 200 Fachkräfte aus den Kitas und interessierte Gäste von Karin Kwast, der Vorsitzenden des Kitaverbandes. Bei der anschließenden Andacht von Superintendentin Ulrike Schimmelpfeng, Popkantor André Wenauer und den Kita-Leitungen Tina Mutschall, Vanessa Nordhoff und Pia Igney wurde es sehr emotional, als zum Abschluss alle gemeinsam „Ist da jemand“ anstimmten, das Psalm 22 und 121 in sich trägt. Superintendentin Ulrike Schimmelpfeng machte dabei deutlich: „Für den Glauben an Gott, der bedingungslos liebt, stehen wir in unseren evangelischen Kitas ein.“
Die Pädagogische Leitung Sabine Schlüter griff die Frage des Liedes auf und übertrug sie auf den Kita-Alltag: „Wenn ein Kind fragt: Ist da jemand? Dann lautet die Antwort: Ja, ich bin da. Ich begleite dich.“ Sie zeigte sich zugleich beeindruckt von den vielen engagierten Gesichtern aus den unterschiedlichen Einrichtungen von Bad Sachsa bis Kalefeld: „Das ist schon ein sehr starkes Zeichen. Wir alle sind heute hier, weil uns die Entwicklung unserer Kinder am Herzen liegt.“
Im Mittelpunkt des Fachtages stand anschließend die offene Arbeit. Marcus Schnuck aus Lüneburg, Erzieher, Pädagoge, systemischer Supervisor sowie Berater und Coach, referierte dazu und beantwortete die vielen Fragen der Fachkräfte. Bei der offenen Arbeit können Kinder – ihrem Alter und ihren Bedürfnissen entsprechend – zwischen verschiedenen Bildungsräumen, Angeboten und Spielmöglichkeiten wählen, drinnen wie draußen. Auch die Spielpartner können sie selbst bestimmen. Feste Gruppenstrukturen treten dabei in den Hintergrund.
Der Vortrag und die anschließende Fragerunde regten zu vielen Gesprächen und zur gemeinsamen Reflexion an. Von den 14 Kitas des Verbandes arbeiten einige bereits offen, viele weitere befinden sich auf dem Weg dorthin. Nun geht es darum, die nächsten Schritte zu planen und die Konzepte in den Einrichtungen mit Leben zu füllen.
Ergänzend bot ein Markt der Möglichkeiten Gelegenheit, sich an Ständen über Angebote, Ideen und praktische Ansätze rund um die pädagogische Arbeit zu informieren, miteinander ins Gespräch zu kommen und neue Impulse für die eigene Kita mitzunehmen.
Am Ende sammelten die Teilnehmenden gemeinsam Begriffe, die sie mit dem weiteren Weg verbinden: „Mut, Offenheit, Einigkeit im Team und beim Träger, Zusammenarbeit, Geduld, passende Konzepte und Räume – und vor allem Herz.“ Damit wurde deutlich: Offene Arbeit braucht nicht nur neue Strukturen, sondern vor allem Menschen, die bereit sind, sich gemeinsam auf den Weg zu machen.
Und auch auf die Frage, ob jemand für die Fachkräfte da ist, gab es eine klare Antwort. Sabine Schlüter und Corinna Schlüter-Dech, Pädagogische Fachberaterin, ermutigten dazu, gemeinsam weiterzugehen. Denn was für die Kinder gilt, gilt auch für die Erwachsenen: „Immer wenn du es am meisten brauchst. Dann ist da jemand.“
Über den Kitaverband Harzer Land:
Der Ev.-lutherische Kindertagesstättenverband Harzer Land wurde zum 1.1.2014 gegründet und ist Träger von 14 Kindertagesstätten im Kirchenkreis Harzer Land. Infos unter: https://kitaverband-harzer-land.wir-e.de
Mareike Spillner