"Es war ne richtig geile Zeit!"

Nachricht Oberharz, 27. September 2026

Pastor Jörg Uwe Pehle in den Ruhestand verabschiedet

Pastor Jörg Uwe Pehle wurde in den Ruhestand verabschiedet. Foto: Mareike Spillner

Ein Pizzawagen vor der Tür, Musik vom Feinsten, eine rappelvolle St. Salvatoris-Kirche in Zellerfeld und jede Menge Wertschätzung – was war das bitte für eine geniale Abschiedsparty? Das fragte sich wohl nicht nur Pastor Jörg Uwe Pehle, als er am Donnerstagabend in einer gut zweistündigen WortMusik verabschiedet wurde. „Es war ne richtig geile Zeit – versprochen, wir kommen wieder!“, schloss Pehle sichtlich ergriffen auch seinen Ehemann Thomas König mit ein. Gemeinsam blickt das Paar nun in Richtung Altea an der spanischen Costa Blanca, wo der Pastor seinen wohlverdienten „Unruhestand“ verbringen wird.

Gute drei Jahre war Jörg Uwe Pehle im Kirchenkreis Harzer Land aktiv: als Pastor für Kirche & Tourismus sowie als Springer für Vakanzvertretungen. Ob im Oberharz, in Bad Lauterberg, Osterode oder im Alten Amt – in dieser kurzen Zeit hat er mit seiner direkten, lockeren Art die Menschen berührt. Das spiegelte sich in den voll besetzten Kirchenbänken wider. Den musikalischen Rahmen gestalteten Wegbegleiter mit einer persönlichen Note: Das Duo Mr. und Mrs. Jingles berührte mit „Lean on me“, Katja Hackmann glänzte mit „What a wonderful world“, und die St. Nicolai-Gospel-Singers aus Altenau brachten mit „I will follow him“ Schwung in das historische Gotteshaus. Natürlich durfte im Oberharz auch das Steigerlied nicht fehlen.

Ein ganz besonderer Moment gehörte Matthias Burgdorf: Er interpretierte „My way“ auf ganz eigene Weise und wurde im selben Zuge für beeindruckende 52 Jahre Dienst an der Zellerfelder Orgel geehrt – gefolgt von einem eigens für ihn angestimmten „Thank you for the Music“.

Im Mittelpunkt von Jörg Uwe Pehles tiefgründiger und zugleich humorvoller Predigt stand sein Lebensmotto: „Leben heißt: Zeichnen ohne Radiergummi“. Jede Linie bleibe bestehen – die geraden wie die krummen, die kräftigen Farben ebenso wie die blassen. „Die gelungenen Striche genauso wie die, die ich heute ganz bestimmt anders gezeichnet hätte. Wir können unser Leben nicht noch einmal skizzieren, keine Seite rausreißen. Wir können nur weiterzeichnen“, betonte er. Früher habe er geglaubt, sein Dienst bestehe darin, fertige Antworten zu liefern. Heute, nach über 30 Jahren im Pfarramt, wisse er: „Das Entscheidende waren immer die Menschen und die Wege, die wir miteinander gegangen sind.“

Für diesen Abschied waren Wegbegleiter früherer Stationen aus Dortmund, Unna und Vlotho in Westfalen angereist. Entsprechend emotional wurde es, als Superintendentin Ulrike Schimmelpfeng den Pastor offiziell von seinen Pflichten entband. „Am Anfang habe ich mich gefragt, was für ein bunter Vogel da bei uns gelandet ist. Jetzt will ich ihn gar nicht gehen lassen“, erklärte sie und lobte seine Gabe, Menschen das Gefühl zu geben, in Gottes Haus willkommen zu sein – getreu seiner Tradition, keine Sitzung ohne Snacks und Getränke stattfinden zu lassen. Der Abschied ist jedoch kein Lebewohl für immer: Schon im nächsten Jahr wird Jörg Uwe Pehle als Urlaubsseelsorger in den Harz zurückkehren.

Nach vielen Überraschungssongs, Abschiedsworten  und -darbietungen gab es Pizza für alle am Pizzawagen vor der Kirche. Und alle blieben noch bei Wein, Selters und guten Gesprächen zusammen. Fast wie in der Kirchenkneipe in Schulenberg. Man munkelt, es war noch ein langer, schöner Abend…

Mareike Spillner