Anfang und Ende liegen nicht in unserer Hand

Nachricht Gieboldehausen, 15. September 2026

Verabschiedung von Pastor Johann Hinrich Witzel in Gieboldehausen

@C.Dolle

 

„Der heutige Tag ist ein Aufbruch für mich, aber auch für euch“, sagte Pastor Johann Hinrich Witzel bei seiner offiziell letzten Predigt am vergangenen Sonntag in Gieboldehausen. Eigentlich wollte er gar nicht in den Ruhestand gehen, gab er zu, doch er lasse sich darauf ein. Weil Anfang und Ende in der Regel nicht in unserer Hand liegen.

Gott habe in der Bibel immer wieder Menschen auf einen Weg geschickt. Diese vertrauten ihm, auch wenn sie nicht wussten, worauf genau sie sich einließen. „Es ist ein Grundelement unseres Glaubens“, betonte Pastor Witzel, immer wieder loslassen, sich auf Neues, Unbekanntes einlassen, im Vertrauen auf Gott. „Es hat mit Freiheit zu tun“, führte er weiter aus. Weil Veränderung uns von Gewohnten, insbesondere von äußeren Zwängen frei macht. Dazu braucht es manchmal Geduld und vor allem Zuversicht.

An diesem Tag aber blickte er vor allem auf die vergangenen fünf Jahre zurück, die er im Eichsfeld wirken durfte. Neue Glocken in Wollershausen, viele neue Gottesdienstformate in Gieboldehausen, Gedenktage in Duderstadt und in Osterode und vor allem viele Begegnungen mit Menschen im Harzer Land. Viel zu viel, um alles aufzuzählen. Er dankte insgesamt für die „wertvolle Lebenszeit“ in der Gemeinde.

Johann Hinrich Witzel stehe im Kirchenkreis für vielerlei Ideen, für lebenslanges Lernen, für Netzwerke auch über die Kirche hinaus, betonte Superintendentin Ulrike Schimmelpfeng, die ihn offiziell in den Ruhestand verabschiedete. Er gehe nach Halle an der Saale, teilte sie der Gemeinde noch mit, seine Stelle hier könne nicht neu besetzt werden. Das bedeutet allerdings nicht, dass die Gemeinde jetzt keinen Pastor mehr hat. In der Gesamtkirchengemeinde gibt es Pastoren und daneben zudem viele Ehrenamtliche, die sich kümmern und für jede und jeden ansprechbar sind. Kirchliche Strukturen verändern sich aktuell stark (vieles wird mehr auf Teams als auf einzelne Personen ausgerichtet), der Kern der kirchlichen Arbeit und die Zuwendung zu den Menschen bleibt selbstverständlich.

Sowohl dieser Kern als auch der Zusammenhalt, den Kirche stiften kann, war anschließend beim Beisammensein im Regenbogenhaus deutlich zu spüren. Zum einen natürlich in Grußworten vieler Weggefährten, zum anderen aber auch in einem sehr persönlichen und durchaus wehmütigen Rückblick von Pastor Witzel. Vieles von dem, was er mit angestoßen hat, bleibt. Es wird sich vermutlich verändern, von anderen fortgeführt werden. Daher ist sein Abschied auch ein neuer Aufbruch für die Gemeinde.

C. Dolle